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Dienstag, 12. April 2022

Ein Gymnasium für alle

Ich fahre ja (mit meinem Klimaticket !) gern durch Österreich und besuche Bildungseinrichtungen aller Art. Für kleine und für große Kinder, in verschiedensten Gegenden. Letzte Woche war ich, gemeinsam mit unserer steirischen Bildungssprecherin Lara Köck und den grünen Grazer Gemeinderätinnen Manuela Wutte und Anna Slama  am westlichen Stadtrand von Graz, in der Klusemannstraße. Hier befindet sich eine der wenigen Schulen in ganz Österreich, die Gymnasium und Mittelschule in einem sind - eine richtige "gemeinsame Schule" also. Direktor Klaus Tasch hat sich viel Zeit für unseren Besuch genommen, durch sein helles, luftiges Haus geführt. Und uns alles genau erklärt: von den rechtlichen Grundlagen seines Schulmodells, bis hin zum pädagogischen Konzept.

Das geht so: 20% der Kinder, die hier in der Klusemannstraße aufgenommen werden, bringen keine "AHS-Reife" mit. Oder, besser gesagt: Sie haben im Volksschulzeugnis der 4. Klasse Dreier und Vierer bekommen - aus welchen Gründen auch immer. Integrationskinder gibt es ebenfalls. Von Anfang an ist die Pädagogik in der Klusemannstraße daher darauf eingerichtet, mit unterschiedlichen Leistungs- und Entwicklungsständen der Kinder umzugehen. Der Unterricht erfolgt im Klassenverband - aber es ist normal, an unterschiedlich schwierigen Aufgaben zu arbeiten, und im Zeugnis auch nach einem unterschiedlichen Schlüssel benotet zu werden. Dem gemeinsamen Lernen und dem Lernen voneinander tut das keinen Abbruch, im Gegenteil. 

Wichtig, damit das gelingen kann, sind zwei Dinge. Erstens: Dass die Lehrkräfte sich als Team begreifen, viel miteinander reden, und einen ganzheitlichen Blick auf die Kinder haben. Zweitens: Dass es für die Schüler:innen und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse gezielte Förderung gibt.

"Wir nützen die Möglichkeiten der Schulautonomie voll aus", erzählt der Direktor, und meint damit: Ein wesentlicher Teil der Unterrichtszeit ist für individuelle Schwerpunkte reserviert. Entweder Basistraining in Deutsch, Englisch oder Mathematik für jene, die das brauchen. Oder zusätzliche Sprachen, naturwissenschaftliche, kreative Angebote für jene, die zusätzliche Herausforderungen suchen. Eine wichtige Rolle für alle spielen Projektwochen und Wahlpflichtfächer. Jedes Kind arbeitet so an einem eigenen Stärkenportfolio, das am Ende der Pflichtschulzeit sehr hilfreich ist, um sich für einen gut passenden weiteren Bildungs- oder Berufsweg zu entscheiden.

Dabei zeigt sich häufig: Die Vorentscheidung am Ende der 4. Klasse Volksschulklasse war zu früh und nicht treffsicher. Kinder lernen in unterschiedlichem Tempo, vielen geht erst später der Knopf auf. Direktor Tasch hat schon viele Jugendliche stolz maturieren sehen, die in der Volksschule vorzeitig abgeschrieben wurden. Und auch umgekehrt: Dass Jugendliche, die von ihren Eltern in eine AHS gedrängt wurden, ihre Bestimmung in einer Handwerkslehre fanden - und dort glücklich wurden.

Der Modellversuch, der in Klusemannstraße gelebt wird, dürfte - dem Gesetz nach - in einem Zehntel aller Schulen und Klassen in ganz Österreich umgesetzt werden. Dieser Spielraum wird derzeit bei weitem nicht ausgenützt. Nach meinem Tag in der Klusemannstraße denke ich mir: Wie schade!

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