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Über Sibylle

Ex-Journalistin, Immer-schon-Feministin, Immer-schon-Grüne, Mutter von 2 Teenagern, Autorin, inzwischen Politikerin und Abgeordnete zum Nationalrat. Ich glaube an die Veränderungskraft von Bildung und brenne für Chancengerechtigkeit. Weil wir jedes einzelne Kind und seine Talente brauchen.

Meine Reise zu den Grünen

 

Wie wird man Politikerin? Für wen will man kämpfen? Und was treibt einen dabei an? Anlässlich meines Wechsels in die Politik vor 2 Jahren habe ich über all diese Fragen ein bisschen nachgedacht. Über meinen Lebensweg, meine Erfahrungen, sowohl privat als auch beruflich. Welche Menschen, welche Begegnungen sind mir in Erinnerung geblieben? Und wie haben sie meine politischen Überzeugungen geprägt?
Herausgekommen ist eine sehr persönliche Reise mit vielen Umwegen, auf die ich euch mitnehmen will. Vielleicht sind einige von euch zufällig an denselben Stationen vorbeigekommen? Oder es gehen euch ähnliche Fragen durch den Kopf? Dann erzählt es! Wir sind Gesellschaft. Wir müssen drüber reden, was uns warum wichtig ist. Damit wir gut entscheiden können, was wir bewahren - und was wir verändern wollen.

Station 1: Stopfenreuth an der Donau, Dezember 1984


Die Aubesetzung

Ich war 18 Jahre alt, ein verklemmter Teenager. Es war kalt. Es war nass. Ich besaß kein schickes, multifunktionales Outdoor-Equipment - gab es sowas damals überhaupt schon? –, sondern bloß eine kratzige Wollhaube, eine dünne lilafarbene Steppjacke, ausgelatschte Clarks mit Kreppsohle, und einen Billigschlafsack von Eduscho, der die Feuchtigkeit eher aufsaugte als abwies. Ich hatte ein bisschen Angst. Ich war keine Pfadfinderin. Ich konnte weder mit einem Kompass umgehen, noch konnte ich richtig Feuer machen. Es würde Dutzende Möglichkeiten geben, mich schon beim Zeltaufstellen zu blamieren. Trotzdem stieg ich damals in die Schnellbahn, fuhr nach Hainburg und stapfte über die große Donaubrücke hinüber nach Stopfenreuth. Das muss jetzt sein, dachte ich.

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Station 2: Beijing, Mai 1988


Wenn Millionen Menschen Rad fahren

Von der Universität Beijing Daxie, kurz Beida genannt, führt ein schnurgerader, breiter Boulevard ins Zentrum von Peking. 1988, als ich dort eine Zeitlang studierte, fuhr kein einziges Auto. In der Mitte des Boulevards blieben stets zwei leere Fahrspuren für Parteifunktionärsautos reserviert. Alles andere war voll mit: Fahrrädern, Fahrrädern, Fahrrädern, abertausenden davon, einer gewaltigen Ameisenstraße gleich. Alle Räder waren schwarz, schwer, fast identisch. Auf ihnen strampelten Menschen, viele noch in einheitliche blaue Mao-Anzüge gekleidet, stoisch stadteinwärts, stadtauswärts. Die größte Herausforderung war: Das eigene Rad schließlich auf den unendlichen Abstellhalden wiederzufinden. Ich band zur Markierung ein buntes Bändchen drauf – es war dennoch schwierig genug.

 

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Station 3: Ruanda, Mai 1994


Wenn Menschen ihre Nachbarn töten

Es war die schlimmste Reise meines Reporterlebens. Ich war Ende zwanzig, als ich hineinstolperte. Eben waren aus Ruanda, einem kleinen Land im ostafrikanischen Hochland, unvorstellbare Nachrichten nach außen gedrungen: Es habe einen Völkermord gegeben, mit hunderttausenden Toten. Innerhalb wenger Tage seien Männer, Frauen und Kinder der Tutsi-Minderheit in einem wahren Blutrausch von ihren Hutu-Landsleuten mit Macheten erschlagen worden. Doch Genaueres wusste man nicht. Es gab keine Bilder, und kaum Augenzeugenberichte. Fast alle Ausländer hatten Ruanda knapp vor dem Massaker verlassen.

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Station 4: Zu Hause in Wien, März 1995


Zuhören und da sein

Ich wohnte bei meinem Freund im Stuwerviertel im 2. Bezirk, als Jörg Haider Mitte der Neunzigerjahre seine ersten überraschenden Wahlerfolge einfuhr. Das Stuwerviertel war damals keine schicke Gegend. Schlenderte man hungrig über den Vorgartenmarkt, hatte man nur die Wahl zwischen zwei Tranklerhütten, vor denen finster dreinblickende Kampfhunde in der Sonne dösten. Autofahrer kreisten im Schrittempo durch die Gassen, auf der Suche nach dem Straßenstrich. An der Donau abweisende Gemeindebau-Blöcke, auf den beschatteten Querstraßen düstere unsanierte Zinshäuser.

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Station 5: Chicago, Juli 1996


Amerika lieben Amerika hassen

Das Angebot der amerikanischen Botschaft kam überraschend. Es gebe da ein Programm, zu dem junge Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt in die USA eingeladen werden. Man habe vier Wochen Zeit, bekäme alle Spesen bezahlt, und dürfe Reiseroute und Programm frei wählen. What do you want to see, Sibylle?

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Station 6: Bosnien, September 1996


Hass zerstört Heimat

Sefik D. lernte ich neben dem Südbahnhof kennen, wo in den Neunzigerjahren ein riesiger Busparkplatz war. Für viele sogenannte „Gastarbeiter:innen“ spielte dieser Platz eine ganz wichtige Rolle im Leben – denn hier fuhren die Langstreckenbusse in Richtung Balkan ab. Zur Oma. Zum Onkel Dragan. Zu den Cousins und Cousinen. In jene Dörfer, wo  man fast jeden Sommerurlaub verbrachte.

Jahrelang, jeden Freitag abend, stieg hier auch Sefik D.

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Station 7: Provinz Kunduz, Afghanistan, November 2001


Unter der Burka

Während des Afghanistan-Kriegs war ich mit drei Journalistenkollegen in Imam Sahib, einer schläfrigen Kleinstadt in der nördlichen Provinz Kunduz. Wir wohnten im Gästehaus des örtlichen Fürsten. Die Taliban waren eben besiegt und aus der Stadt vertrieben worden. Solche Momente des Umbruchs sind immer spannend. Die ehemalige Ordnungsmacht verschwindet, hinterlässt ein Vakuum, und es braucht meistens ein paar Tage, bis sich die Verhältnisse ordnen, neue Regeln etabliert werden, und die neue Macht sich einrichtet.

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Station 8: Privates und Politisches, Oktober 2002


Halbe-halbe ist die Lösung

Jeder kennt die Geschichte. Sie ist tausende Male passiert. Er und Sie, beide gut ausgebildet und berufstätig, gehen eine Beziehung ein. Sie ziehen zusammen, kochen beide, räumen abwechselnd den Geschirrspüler aus, zahlen im Lokal abwechselnd die Rechnung, fühlen sich als gleichberechtigtes Paar. Weil alles so schön harmonisch ist, ist irgendwann ein Kind unterwegs. Er und Sie setzen sich also zusammen und überlegen, wie sie das mit der Aufteilung auf die Reihe kriegen werden. Er verdient ein bisschen mehr als Sie. Da ist es nur logisch, dass Sie eine Zeitlang zu Hause bleibt und Er das Geld heranschafft.

 

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Station 9: Undercover in Wien, Juni 2006


Heute bin ich Putzfrau

Ich gehe auf die Straße und sehe anders aus als sonst. Ich trage eine ausgeleierte Jogginghose, ein verwaschenes T-Shirt und habe statt meiner Ledertasche bloß einen Plastikbeutel dabei. Ich überquere den Gürtel, mein Herz klopft vor Nervosität, gleich werde ich an einer Adresse, wo ich vorher noch nie war, einen Klingelknopf drücken. Über ein Kleininserat habe ich mich als Putzfrau angeboten, um 10 Euro pro Stunde. Warum? Weil ich für ein Buch recherchiere - über die vielen Frauen, die Tag für Tag in österreichischen Privathaushalten arbeiten, als Betreuerinnen, Babysitterinnen, Putzfrauen. Ich war in ihren Heimatländern. Habe Studien analysiert und Interviews mit ihnen gemacht. Bloß eines fehlte mir noch, um das Puzzle vollständig zusammenzusetzen: Der Rollenwechsel. Selbst auszuprobieren, wie es sich anfühlt.

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Station 10: Singen, Oktober 2010


Wer singt, der wird gehört

Singen ist so einfach. Luft holen, und der Stimme Raum geben. Den Ton, die Vibration im Körper spüren, und bloß nicht zu viel nachdenken dabei. Jeder Mensch kann singen, und tut es auch – als Baby, als Kleinkind, eventuell sogar noch als Jugendliche in der grölenden Menge. Doch viel zu viele Erwachsene haben es sich abgewöhnt. Man empfindet es als peinlich, dem eigenen Klang zu lauschen. Fühlt sich ertappt, wenn einem jemand in der Dusche zuhört. Hat Angst, nicht den richtigen Ton zu treffen, Fehler zu machen. Wie schade.

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Station 11: Amstetten, August 2012


Warum wir Frauenhäuser brauchen

Frau D. ist 50 Jahre alt und Küchenhilfe. Sie wohnt im Frauenhaus. 30 Jahre lang hat sie stillgehalten, durchgehalten. Erst, „weil ich jung und verliebt und deppert war“; dann, weil die Kinder kamen; dann, weil sie ein Haus bauten; dann, bis die Kinder groß waren; und schließlich, „weil es so schwer ist, wegzugehen, wenn man nichts anderes kennt“. Ihr Ehemann bestand darauf, dass sie alles stets auf den Millimeter genau richtig machte – das Essen hinstellen, die Wäsche zusammenlegen, die Hecken stutzen. Sonst gab es Strafen. Frau D. wischte zehnmal, wenn er zehnmal hintereinander absichtlich sein Glas ausschüttete, und bügelte manchmal die ganze Nacht durch. Bis ihr Körper irgendwann nicht mehr mitmachte. Der Blutdruck, das Kreuz, die Migräne, der Schlafentzug. Am Ende schluckte sie zwanzig Tabletten am Tag.

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Station 12: Zwischen der Slowakei und Wien, Mai 2013


Die unsichtbaren Betreuerinnen

Romana B. ist eine verständnisvolle, nachgiebige Frau. Wahrscheinlich: zu verständnisvoll, und zu nachgiebig. Sonst hätte der Ex-Mann nicht heimlich den Familienschmuck entwenden können, um seine Spielsucht zu finanzieren. Und sie auf seinen ganzen Schulden sitzengelassen, als er sich schließlich aus dem Staub machte. Ich lernte Romana B. kennen, als sie eben versuchte, ein bisschen Ordnung in das unverschuldete Chaos ihres Lebens zu bringen. Eigentlich hatte sie daheim in der Zentralslowakei Sonderschullehrerin gelernt. Aber nur in der 24-Stunden-Betreuung konnte sie genug verdienen, um die Schulden abzustottern. Sie ließ ihre zehnjährige Tochter in der Obhut der Großeltern zurück und ließ sich von einer Agentur nach Wien vermitteln. Romana B. kam als 24-Stunden-Betreuerin zu unserer Mutter.

 

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Station 13: Zwischen Syrien und Wien, Oktober 2015


Gut, dass du hier bist, Fatima!

Fatima trat im Oktober 2015 in mein Leben, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Unsere Kinder gingen gemeinsam zur Schule. Seither sind wir Freundinnen. Es ist seltsam, mit einem Menschen befreundet zu sein, der in vielen Dingen ganz anders ist als man selbst. Fatima meint, dass Männer und Frauen von Natur aus verschieden sind, ich bin Feministin. Fatima ist Technikerin, ich habe von Technik keine Ahnung. Fatima glaubt an Gott, ich nicht. Vielleicht jedoch ist es genau deswegen für mich so lehrreich, mit ihr zusammen zu sein.

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Station 14: Weinviertel, September 2016


Schnitzel wachsen nicht auf Bäumen

Die Kinder essen gern Würstl. Heute gibt es Debreziner, fein gewürzt, dazu Fisolen. Normalerweise schlingen bei uns alle das Essen immer schnell hinunter. Heute jedoch kauen die Kinder bedächtiger. Morgen, so habe ich ihnen versprochen, fahren wir ins Weinviertel zum Schweinebauern, um persönlich dabei zu sein, wenn ein Schwein geschlachtet wird.

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Station 15: In der Schule, April 2018

Wie schwierig Integration sein kann

S. ist 15 Jahre alt, als ich sie zufällig kennenlerne. Sie hat prächtige dunkle Locken, ein breites Lächeln und neugierig blitzende Augen. Sie hat eine Frage. „Ich würde so gern österreichische Menschen kennenlernen. Können Sie mir helfen?“

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Station 16: Unterwegs, immer

Reden hilft immer

Hat man Angst als Auslandsreporterin?, wurde ich früher manchmal gefragt. Ja, lautete meine ehrliche Antwort. Und mein größter Angstmoment war immer jener, wenn ich, kurz nach der Ankunft an einem mir völlig fremden Ort, zu einem fremden Mann ins Taxi steigen musste.

 

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Station 17: Im Nationalrat, 23. Oktober 2019


Plötzlich in der Politik

Journalismus ist ein großartiger Beruf. Man kann recherchieren, was auf der Welt passiert. Man kann der Öffentlichkeit darüber berichten. Und man kann permanent eine Meinung dazu abgeben, was "die Politik" tun sollte.

Nach fast 30 Jahren hat mir das jedoch nicht mehr gereicht. Es fühlte sich zusehends schal an: Immer nur am Spielfeldrand strehen und Kommentare abgeben. Immer bloß Zensuren verteilen, alles besser wissen, ohne konkret eingreifen zu können. Immer stärker wurde der Drang, es einmal selber auszuprobieren: Wie geht politische Veränderung?

 

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