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Sonntag, 29. Dezember 2019

Station 16: Unterwegs, immer

Reden hilft immer

Hat man Angst als Auslandsreporterin?, wurde ich früher manchmal gefragt. Ja, lautete meine ehrliche Antwort. Und mein größter Angstmoment war immer jener, wenn ich, kurz nach der Ankunft an einem mir völlig fremden Ort, zu einem fremden Mann ins Taxi steigen musste.


Du bist ja meistens ganz allein unterwegs. Du stehst am Flughafen von Kigali, Karachi oder Quito, und keiner ist da, der dich abholt. Du klammerst deinen Rucksack fest, setzt einen möglichst unnahbaren Gesichtsausdruck auf, trittst durch die Schiebetür in die drückend schwüle Luft hinaus, und wirst sofort bedrängt von einem bedrohlichen, chaotischen Pulk von Leuten, die „Taxi!“ „Please, Madam“ oder „You need car?“ schreien. Du spürst, wie alle Augenpaare dich taxieren: Du bist eine Frau, womöglich die einzige Weiße weit und breit, hast Bargeld und Laptop bei dir, wahrscheinlich keinen Handyempfang, und kennst ganz offensichtlich keinen Menschen hier. Ein lohnendes Opfer. Und während der gesamten Fahrt kannst du dann den Angstfilm nicht stoppen, der in deinem Kopf läuft: Was, wenn der Fahrer die falsche Richtung einschlägt? Wenn er dich irgendwohin bringt, wo Entführer lauern? Gibt es an seinem Fahrverhalten, seiner Kleidung, seinem Auto irgendein Indiz, das verrät, ob er ein heimtückischer Raubmörder ist? Und soll ich dann schreien, davonlaufen, oder mich totstellen?

Es dauerte viele Jahre, bis es mir gelang, diesen Angstfilm in meinem Kopf zu stoppen. Eine erfahrere Kollegin verriet mir ihren Zaubertrick. Er lautetete: Reden, reden, reden. Setz dich nicht auf die Rückbank, sondern vorn neben den Fahrer, riet sie mir. Sag ihm deinen Namen, und frag ihn, wie er heißt. Erzähl ihm von der Donau und dem Schnee. Frag ihn nach seiner Frau und seinen Kindern, nach seinen Nachbarn und Schwiegereltern, nach seiner Lieblingsspeise und seinen Hobbies. Nein, es muss dich nicht wirklich interessieren. Aber es wird dich auf neue Gedanken bringen. Jedes Pünktchen Information, das du bekommst, wird eine Leerstelle füllen, die du bis dahin mit deinen Angstphantasien gefüllt hast. Und mit jedem banalen Detail, das du über den Fremden erfährst, wird er harmloser. Kein potentieller Raubmörder mehr, sondern ein ganz normaler Mensch mit Gewohnheiten und Alltagssorgen.

Es war einer der besten Tipps, die mir je ein Mensch gegeben hat. Der Zaubertrick funktioniert. Man kann ihn nicht nur bei Recherchereisen anwenden, sondern auch in vielen anderen Situationen, die man als bedrohlich empfindet. Auf Parties zum Beispiel, bei denen lauter coole, unnahbar wirkende Leute herumstehen. Nachts auf dem Heimweg, wenn man hinter sich Schritte hört. Oder wenn man plötzlich einer Gruppe fremder Menschen gegenübersteht, von denen man nicht weiß, wer sie sind, was sie hergeführt hat, und was sie von einem wollen.

„Hallo, ich heiße Sibylle, wer bist du?“ ist in all diesen Situationen ein guter Anfang.

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