Cookie-Einstellungen
Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.
Essenzielle Cookies
- Session cookies
- Login cookies
Performance Cookies
- Google Analytics
Funktionelle Cookies
- Google Maps
- YouTube
- reCAPTCHA
Targeting Cookies

Freitag, 23. Februar 2024

Geldstrafen für Eltern?

Der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr hat eine Idee in die politische Diskussion geworfen: Eltern, die nicht zum Elternsprechtag kommen oder Vorladungen der Schule ignorieren, sollen Geldstrafen zahlen müssen.

Ich war über diesen Vorschlag sehr verwundert - denn bis jetzt hatte ich diese Forderung nur von der FPÖ gehört. Als die ÖVP die Idee in das Regierungsprogramm hineinverhandeln wollte, haben wir uns von grüner Seite vehement – und schließlich erfolgreich – dagegen gewehrt.

Ich verstehe, dass Pädagog:innen oft verzweifelt sind. Es muss für sie extrem frustrierend sein, wenn es mit einem Kind Probleme gibt, über die man mit den Eltern reden will – aber dann schafft man es nicht, weil sich die Eltern einfach nicht blicken lassen.

Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass Geldstrafen hier kaum weiterhelfen können. Weil es in den allermeisten Fällen um vielschichte Problemlagen geht, die mit einer Geldstrafe kaum lösbar nicht. Ein paar Gedanken dazu:
* Es gibt überforderte Eltern. Die mit dem Leben nicht zurechtkommen, und denen alles zu viel ist: Arbeit, Stress, Krankheit, Geldnot, Zeitmangel. Eine Geldstrafe wird diese Überforderung nicht mindern, sondern nur noch verstärken.

  • Es gibt Eltern, die den Kontakt zur Schule scheuen, weil sie sich schämen. Etwa dafür, dass sie kein Deutsch sprechen, dass sie ihren Kindern nicht helfen können, dass sie keine guten Vorbilder sind, dass sie in ihrer Elternrolle versagen. Scham wird durch Strafen nicht beseitigt, sondern nur verstärkt.
  • Es gibt Eltern, die die Autorität über ihr Kind verloren haben. Die selbst daran verzweifeln, dass ihr Kind die Schule schwänzt und die Aufgaben verweigert, aber sich nicht zu helfen wissen. Eine Geldstrafe straft diese Eltern gleich doppelt – ohne das Verhalten des Kindes zu ändern.
  • Es gibt Kinder, die wegen komplexer Nöte die Schule verweigern. Das können Versagensängste sein, Mobbing, Depressionen, Suchtkrankheiten oder Gewalterfahrungen. Nichts davon wird durch eine Geldstrafe besser.

Was ist also zu tun? Auf jeden Fall: Hinschauen statt wegschauen. Kommunizieren statt strafen. Mit dieser schwierigen Aufgabe kann man Pädagog:innen selbstverständlich nicht allein lassen. Dazu braucht es multiprofessionelle Teams, mit Expertise und Lebenserfahrung aus vielen Bereichen. Sozialarbeit ist der erste wichtige Schlüssel: Sozialarbeiter:innen können den Kontakt zur Familie herstellen. Ein:e Schulpsycholog:in kann abklären, ob psychische Probleme vorliegen, die eine Therapie brauchen. Familienhilfe kann Familien bei Überforderung unterstützen. Nachbarschaftshilfe oder Vereine wie „Nachbarinnen“ können helfen, aus der sozialen Isolation herauszukommen. Wenn Vernachlässigung oder Gewalt droht, muss das Jugendamt einschreiten. Eventuell sind manche Kinder oder Jugendliche in einer Krisen-WG besser untergebracht als in der Familie.

In jedem Fall gibt es viel zu tun für die Wiener Sozial- und Integrationspolitik. Viel zu tun für Christoph Wiederkehr. Ich werden ihn im Rahmen meiner bundespolitischen Möglichkeiten gern dabei unterstützen. Aber ein Gesetz für Geldstrafen? Das mache ich nicht.

Noch keine Kommentare auf dieser Seite.

Deine Meinung zählt

Mit dem Absenden dieses Formulars stimmst du zu, dass dein Kommentar auf dieser Website veröffentlicht werden darf.
Weitere Newsbeiträge
Bitte erlauben Sie funktionale Cookies um diesen Inhalt anzuzeigen