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Dienstag, 24. Dezember 2019

Station 13: Zwischen Syrien und Wien, Oktober 2015

Gut, dass du hier bist, Fatima!

Fatima trat im Oktober 2015 in mein Leben, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Unsere Kinder gingen gemeinsam zur Schule. Seither sind wir Freundinnen. Es ist seltsam, mit einem Menschen befreundet zu sein, der in vielen Dingen ganz anders ist als man selbst. Fatima meint, dass Männer und Frauen von Natur aus verschieden sind, ich bin Feministin. Fatima ist Technikerin, ich habe von Technik keine Ahnung. Fatima glaubt an Gott, ich nicht. Vielleicht jedoch ist es genau deswegen für mich so lehrreich, mit ihr zusammen zu sein.


Was wir in diesen sechs Jahren miteinander erlebt haben, haben – so ähnlich – hunderttausende andere Menschen in Österreich ebenfalls durchgemacht. Wir haben bei den Asylinterviews gezittert und gemeinsam gebangt. Wir wissen, wie es sich anfühlt, mit klopfendem Herzen das Postkastl aufzuschließen, um zu schauen, ob der Bescheid schon da ist. Wir haben ein paar arabische Redewendungen gelernt, und mit Schrecken gemerkt, wie schwierig es ist, anderen die deutsche Grammatik zu erklären. Wir haben über Wohnungsinseraten gebrütet und sind an den vielen Ablehnungen von Maklern und Vermieterinnen verzweifelt. Wir haben Küchenutensilien und Sofas geschleppt, und waren froh, dass die Bettwäsche von der Oma gebraucht wurde. Wir waren so häufig zum Essen eingeladen, dass wir mittlerweile alle arabischen Gerichte kennen. Wir waren an Orten, die uns vorher womöglich verborgen geblieben waren: AMS, Sozialamt, Sozialmärkte, Kleiderausgabestellen, Brennpunktschulen, Ambulanzen für Unversicherte.

Wir haben gelernt, wie es sich anfühlt, auf der Straße vor einem Amt Schlange zu stehen. Wir wissen, wie sich böse Blicke anfühlen, auf der Straße, in der U-Bahn, weil unsere Freundin vielleicht ein Kopftuch trägt, oder ihre Kinder ein bisschen laut sind. Wir haben getröstet und gelacht, diskutiert und ermuntert. Wir haben uns mit ungewohnten Fragen herumschlagen müssen: Wie zeigt man Dankbarkeit? Was zieht man an, wenn man ins Schwimmbad geht? Wir haben gestritten, uns geärgert und vielleicht manchmal aus Überforderung geweint. Doch dann gab es bestandene Deutschprüfungen, schöne Zeugnisse der Kinder, einen Führerschein, ein erfolgreiches Jobinterview, und dann haben wir wieder gewusst: Es steht alles dafür.

Ich glaube, ich spreche nicht für mich allein, wenn ich sage: Wir sind an dieser Aufgabe gewachsen. Wir wollen die neuen Erfahrungen nicht missen, die wir seit 2015 gemacht haben. Zwar wünscht sich niemand eine Flüchtlingskrise herbei. Doch rückblickend möchte ich Fatima und den anderen, die diese Krise zufällig zu mir geführt hat, sagen: Gut, dass ihr da seid. Bitte bleibt!

Nein, die Integration von hunderttausend Flüchtlingen ist kein Kinderspiel. Sie geht nicht von allein. Sehr viele Menschen müssen mit anpacken, damit das Zusammenwachsen gelingt. Es braucht Nachbarn, die ihre Scheu überwinden. Es braucht Lehrerinnen, die sich zusätzliche Arbeit machen. Es braucht Kinder, die sich für die Neuen in der Klasse interessieren. Es braucht Wohnungsbesitzer:innen, die an Flüchtlinge vermieten, und Firmen, die bereit sind, ihnen eine Chance zu geben. Aber zigtausende Menschen in ganz Österreich haben in den vergangenen sechs Jahren genau das getan. Sie haben Patenkinder aufgenommen und Lehrlinge eingestellt. Sie haben Jugendliche in den Fußballverein aufgenommen und mit ihnen deutsch geübt. Sie haben angepackt.

Und ich finde: Es ist gut für Österreich, dass es diese Menschen gibt.

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